Medizin im Zeitalter des Internets

Warum Sie die Digitalisierung nicht nervös machen muss

Digitale Medien halten Einzug im Gesundheitswesen. Der rasante Wandel sorgt nicht nur dafür, dass viele Wissenschaftler und Mediziner davon sprechen, dass „Ärzte überflüssig werden“ und „Maschinen die Herrschaft im Gesundheitswesen übernehmen“. Der Bundesverband Internetmedizin zeichnet ein pessimistisches Bild, das von billigen Behandlungsleistungen, digitalen Therapien vor ambulanten und stationären Therapien und besorgniserregendem Wegfall von Angeboten spricht. Es gäbe nichts, was die digitale Medizin nicht leiste, heißt es da: Mobile Health immer und überall, Patientendatenmanagement und elektronische Diagnoseverfahren, Big Data in großen Kliniken und Robotik in der Versorgung. Aber stimmt das?

Patientenkontakt immer geringer  

Wie wir Ihnen hier und hier berichtet haben, können Sie etwas tun, um besser zu sein als die Maschinen. Um sich für Ihre Patienten unersetzlich zu machen. Um gelassen und zufrieden in die medizinische Zukunft zu sehen.

Wir glauben, dass man trotz der aktuellen Entwicklungen innerhalb der Medizin noch immer davon ausgehen kann, dass Arztbesuche weiterhin nötig und dringend notwendig sind – wenn Sie Ihre Potentiale nutzen und sich an die Prinzipien halten, die eine gute Arztpraxis ausmachen.

Wir erklären Ihnen heute, warum Sie sich von wissenschaftlichen Studien, die die Folgen der technischen Entwicklung abschätzen, und panikheischenden Aussagen nicht nervös machen lassen sollten.

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Digitaler Sturm über dem Gesundheitswesen  

Beim Innolab 2018, einem Experimentierforum für Gesundheit und Gesellschaft in Bochum, beschrieb der Bundesverband Internetmedizin, für wie gefährlich er die gelassene Haltung vieler Ärzte gegenüber der digitalen Zukunft des Gesundheitswesens halte.

Kann man aber kritiklos zustimmen, wenn davon die Rede ist, dass das Internet schädigend in die Wertschöpfungskette aus Prävention, Ambulanz, stationärer Versorgung, Rehabilitation und Pflege eingreifen wird? Beschäftigen wir uns mit den vorherrschenden Ängsten.

Angst 1: Wegfall von medizinischen Leistungen

Gesundheits-Apps wie Kopfschmerztagebücher und Diabetes-Managements stehen in der Kritik. Sie sollen ärztliche Leistungen ersetzen, Budgets wegnehmen, ungeachtet ihrer tatsächlichen Wissenschaftlichkeit menschliche Sprechstunden ersetzen. Ja, es ist richtig, dass Apps und auch Künstliche Intelligenz in der Medizin rasch beliebter werden: KI-Ärzte und Apps können teilweise günstigere und verbesserte Gesundheitsleistungen für Millionen von Menschen anbieten. Insbesondere für diejenigen, die andernfalls gar keine Gesundheitsversorgung erfahren.

Aber: Internet liefert keine personalisierte Medizin

Trotzdem können wir Ihnen versichern: KI, Apps und Computer können keine ganzen Versorgungswesen aushebeln, sondern eher Berufe automatisieren, die eine geringe Bandbreite an speziellen Fähigkeiten brauchen. Digitale Systeme durchforsten Datenmengen, Protokolle, Patientenakten, Fachbeiträge, um wissenschaftlich versierte Diagnosen und Therapien vorzuschlagen – der Computer unterscheidet aber nicht zwischen „krank“ und „gesund“, sondern nur zwischen 0 und 1, ja oder nein. Seine Sprache ist kalt-objektiv, persönliche Patientengeschichten sind ihm einerlei.

Um aber ärztliche Fähigkeiten simultan in jeglicher Situation einsetzen und auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können, braucht es die ethische und soziale Komponente des Arztseins.

Angst 2: Bedrohung im Preis- und Jobwettbewerb   

Haben auch Sie Sorge, dass günstigere Preise für die „neuen, digitalen Leistungen“ die Preisverhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen negativ beeinflussen werden? Vielleicht, sagen wir.

Ja, es sind Fälle bekannt, bei denen Apps wie „Tinnitracks“ als Komplementärmedizin erstattet wurden, ohne deren Leistungsfähigkeit für die Patienten genauestens zu überprüfen. Hier müssen Interventionen wie das Health Technology Assessment (HTA) greifen: Die Folgen der Technik in der Medizin werden durch Nutzen, Risiko und Kosten abgeschätzt. Das HTA muss dringend ausgeweitet werden.

Und genau hier setzen neue Jobs in der Medizin an, die durch die Digitalisierung erst geschaffen und durch hohe Budgets zukünftig unterstützt werden:

  • Wer überprüft die neuen Leistungen?
  • Wer liefert bahnbrechende Erkenntnisse über neue ärztliche Methoden, die abseits der Norm liegen?
  • Wer kann neue klinische Prozeduren entwickeln, die keine Maschine übernehmen kann?
  • Wer erkennt die Patienten als einzigartig in seiner konkreten Lage?

Aber: Internet kreiert neue Jobs und Gelder

Task-Forces, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (GDIM) bereits bildet, sprechen dafür, dass Ärztinnen und Ärzte der Digitalisierung zuhören und mit ihr arbeiten wollen. Beispielsweise wurde im Bereich Mobile Health eine Gruppe dafür eingerichtet, die bestehenden Angebote zu identifizieren und nach wissenschaftlichen Ergebnissen zu verbessern, Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten zu informieren und aufzuklären, und zukunftsweisende Handlungsfelder aufzuzeigen.

Angst 3: Kontrolle der Internet-Giganten

Amazon, Apple, Google und Co. vereinen Ihre Ressourcen aus Geld, Kundendaten und Technik, um Ärztinnen und Ärzte die Arbeitsgrundlage zu nehmen – daher vereinen doch Sie als Medizinerinnen und Mediziner intime biographische Patientendaten für Einzelpersonen. Sie verfügen über die Emotionen zwischen den Zeilen, können echtepersonalisierte Medizin jenseits von Statistik und seelenlosen Datenprofilen anbieten. Bei Ihnen arbeiten Herz und Verstand gemeinsam.

Digitale Medizin der Zukunft – und Sie mittendrin

Der Arbeitsmarkt im Jahr 2050 wird sicherlich von KI, allerlei Maschinen, Apps und anderen, uns jetzt noch unbekannten digitalen System begleitet werden. Genau hier liegt der Schlüssel zur positiven Zukunft: Die Digitalisierung begleitet das Gesundheitssystem, statt mit diesem in Konkurrenz zu stehen.

Kein einziger Job wird ohne ein gewisses Maß an Automation auskommen. Wer sich aber positiv auf das neue Gesundheitswesen einlässt, öffnet sich für die eigenen Potentiale.

Wir helfen Ihnen dabei, sich selbst und Ihre Patienten dafür zu sensibilisieren, dass die digitale Medizin Ihre Behandlung unterstützen, aber nie vollständig ersetzen kann.

Melden Sie sich einfach bei uns und wir zeigen Ihnen, welche Potentiale Ihrer Praxis in der digitalen Zukunft gehoben werden können.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Ihr   Jan Ackermann

 

Ein Thema, dass Sie interessiert? Lesen Sie weiter:  

  • Harari, Yoval Noah (2018): „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“. München: C.H. Beck
  • Michael Chui et.al. (2016): „Where Machines Could Replace Humans — and Where They Can’t (Yet)“. In: McKinsey Quarterly, Juli 2016
  • Robert Watcher(2015): „The Digital Doctor: Hope, Hype and Harm at the Dawn of Medicine’s Computer Age“. New York: McGraw-Hill Education
  • Abu Saleh Mohammad Mosa et.al. (2012): „A Systematic Review of Healthcare Application for Smartphones“. In: BMC Medical Informatics and Decision Making 12:1